Das war nichts
Notiert von Hans-Georg am 15. August 2010
Brückensegler – so werden in Wassersportkreisen die Menschen genannt, die eine schicke Yacht ihr Eigen nennen und anstatt damit bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu segeln lieber festvertäut im sicheren Hafen an der Brücke die Yacht zum repräsentieren nutzen. Die Brückensegler sitzen gebräunt in stylischen Klamotten, die Sonnenbrille in die Haare geschoben (das ist ja hipp), bei hochprozentigen Getränken im Cockpit ihrer Yacht und gucken wie die Anderen gucken.

Gestern waren wir bei Freunden eingeladen zum Segeln. Aber segeln war nicht. Wir haben sozusagen brückengesegelt, im Schatten der Viermastbark Passat. Das lag aber nicht an der Unlust oder Repräsentiersucht unserer Gastgeber sondern am bescheidenen Wetter. Es hat den ganzen Tag gesaut, mal richtiger Regen, mal Niesel. Selbst die Enten am Ufer hockten zusammengekuschelt beisammen.

Trotzdem war es ein sehr gemütlicher Tag. Wir haben nette Gespräche geführt und gut zu Essen bekommen. Mehr als 10 Stunden haben wir unter Deck zusammengesessen, von ein paar Toilettengängen abgesehen. Denn im Hafen darf die bordeigene Toilette nicht benutzt werden.
Trotz des schlechten Wetters war es ein schöner Tag. Nur segeln, das war nichts.
Übrigens liebe Hamburger: Wenn ihr mal ein stolzes Segelschiff sehen wollt, dann fahrt nach Travemünde und schaut euch die “Passat” an. Dagegen ist eure “Rickmer Rickmers” ein Beiboot!
Nachtrag für alle Hamburger, die sich damit nicht abfinden können, dass die Rickmer Rickmers nur ein Beiboot ist:
Die Hansestädter an der Trave haben das, wovon die Elb-Hanseaten nur träumen können: Einen echten “Hamburger Veermaster”, die Viermastbark Passat.
Mit den Müttern zu den Hexen
Notiert von Hans-Georg am 13. August 2010
Geburtstagsgeschenke waren es für unsere Mütter: Eine Fahrt nach Oberhausen inkl. einer Übernachtung und mit dem Besuch einer Aufführung des Musicals Wicked – Die Hexen von Oz.
Vor drei Monaten hatten wir die Bahnfahrt gebucht, 1. Klasse, was nur unwesentlich teurer war als in der 2. Klasse. Warum sollten wir uns den Luxus nicht mal leisten?!
Gestern gegen Mittag ging es los, heute Nachmittag waren wir wieder zurück. Die Hin- und Rückfahrt verlief jeweils ohne Probleme, es gab keine Verspätungen. Alles wunderbar – im Gegensatz zu dem, was man oft über die DB liest und hört.
Übernachtet haben wir im B&B Hotel Oberhausen. Ausschlaggebend für die Hotelwahl war nicht der günstige Zimmerpreis sondern die Tatsache, dass das Hotel fast neben dem Metronomtheater liegt, in dem zurzeit das Musical aufgeführt wird. Unsere Mütter sind nicht mehr die Jüngsten und dementsprechend nicht mehr so gut zu Fuss. Es sollte also recht bequem sein.

Das Hotel scheint noch recht neu zu sein. Die Zimmer sind einfach eingerichtet, aber alles ist sauber und ordentlich. Die beiden gebuchten Einzelzimmer waren genauso gross wie unser Doppelzimmer. Wie man uns beim Checkin mitteilte, sind alle Zimmer des Hotels identisch, es gibt gar keine Einzelzimmer. Das Frühstück heute morgen kostete Eur 6.90 pro Person. Dafür gab es Saft satt, Kaffee in allen Variationen satt bzw. auch heisse Schokolade. Angeboten wurden verschiedene Brötchensorten, 2 Sorten Käse, 3 Sorten Wurst, mehrere Arten von Marmelade, Honig, Müsli, sogar Joghurt. Es mangelte an nichts. Bei dem Preis der absolute Hammer.
Gestern, nach der Ankunft, wollten wir im nahegelegenen Centro Oberhausen nett was essen. Im Internet hatte ich mich bereits informiert und einige Restaurants gefunden, die von Interesse sein könnten. Zwei kamen in die engere Wahl. Jedoch war es nicht so ganz einfach, den Restaurantbereich zu finden. Hätten wir man vorher im Hotel gefragt, dann hätten wir unseren Müttern einige Hundert Meter Wegstrecke erspart. Aber so lernten wir auch einen Teil des Einkaufsparadieses kennen. An der Info des Centro wurde uns erklärt, wie wir zur Promenade kommen, wo sich die ganzen Restaurants befinden.
Mittlerweile war es mir ziemlich egal, wo wir denn essen würden. Ich wollte unseren Müttern nicht noch mehr zumuten. Aber wie durch ein Wunder erreichten wir die Promenade genau da, wo sich eins der von mir vorab ausgesuchten Restaurants befindet, das Don Carlos, ein Restaurant mit spanischen Spezialitäten, ausgezeichnet mit vier Sternen. Wir bekamen Plätze im überdachten und geschützten Aussenbereich. Die freundliche Bedienung brachte uns die Karte und fragte nach Getränken. Ich entschied mich für ein Glas weissen Rijoa, meine Mitreisenden hatten Durst und tranken Bier bzw. Alsterwasser.
In der etwa 200 Gerichte umfassenden Speisekarten wurden wir doch recht schnell fündig. Bernd und ich durften uns zu unseren Gerichten an der Salatbar bedienen, die ausser dem üblichen Rohkostkram auch andere sehr leckere Dinge enthielt. Ich nahm eingelegte Pilze, kleine eingelegte Kartoffeln und Oliven mit Pepperoni. Sehr sehr lecker, im Tapasstil.
Angenehm überrascht waren wir über das Preis-/Leistungsverhältnis der Hauptspeisen. Ich hatte mir Schweinefilet, gefüllt mit Kalbsleber und umwickelt mit Serranoschinken, bestellt. Dazu gab es Reis. Ich war sehr erstaunt, als ich ein ganzes Scheinefilet serviert bekam, sehr nett angerichtet und dekoriert. Für den Preis von Eur 17.50 hatte ich weniger erwartet. Auch die anderen Gerichte waren mengenmässig sehr üppig. Meine Mutter schaffte ihre Putenbrust nicht. Für einen Nachtisch hatten wir keinen Platz mehr. Stattdessen nahmen wir einen Digestif. Mein Brandy Cardenal Mendoza wurde angewärmt serviert. Ich war begeistert. Die Gesamtrechnung für 4 Personen belief sich auf Eur 113.00, ein angemessener Preis für stilvolles speisen in angenehmen Ambiente. Ich kann nur sagen: Jederzeit wieder!

Wir fragten die Bedienung nach dem kürzesten Weg zum Hotel, der uns entlang der Promenade an den vielen Restaurants vorbeiführte. Nachdem wir uns umgezogen hatten, machten wir uns auf den Weg zum Theater.
Für Bernd und mich war es das 4. Mal, dass wir uns Wicked – Die Hexen von Oz anschauten. Die Partie des Fiyero wird seit Juni diesen Jahres von Anton Zeterholm gespielt und gesungen, der ja aus einer grossangelegten Castingshow als Sieger für die Titelrolle des Musicals Tarzan hervorging. Wir hatten das Glück, gestern Abend Anton Zeterholm auf der Bühne zu sehen. Der Mann kann ja wirklich beeindruckend spielen und tanzen. Sein Spiel kam sehr emotional über die Rampe. Und dieses Musical ist sehr emotional, was uns auch dieses Mal wieder zu Tränen rührte. Theater ist gut gemacht, wenn man nicht den Eindruck hat, dass es bei wiederholtem Anschauen eines Stückes aufgesetzt und unnatürlich wirkt und wenn es immer wieder die Seele berührt. Die Preise für ein Musicalticket sind nicht günstig, aber die Ausgabe lohnt sich wenn man berührt nach der Vorstellung das Theater verlässt. Wicked – Die Hexen von Oz, gern wieder.
Kultur vom Feinsten
Notiert von Hans-Georg am 19. Juli 2010Was wir in Tecklenburg gemacht haben, wo wir ja mit der Bahn hingefahren sind, kann man hier nachlesen.
Zurück aus Elbflorenz
Notiert von Hans-Georg am 12. April 2010
Elbflorenz – so wird Dresden, die Landeshauptstadt von Sachsen, auch genannt. Ich war noch nie in Florenz. Was uns in Dresden erwartete, übertraf alle Erwartungen. Im 2. Weltkrieg wurde viel zerstört. Und es wurde inzwischen viel, sehr viel, wieder aufgebaut. Das aktuellste Beispiel ist ja die Frauenkirche. Es gibt aber auch noch grosse Lücken. Von der ehemaligen Orangerie in der Nähe des Hotels, in dem wir übernachtet haben, steht nur noch ein Fragment. Vielleicht gelingt es ja, auch diese Baulücke eines Tages wieder zu schliessen. Geld ist knapp, das wissen wir alle. Vielleicht gibt es ja doch eine Möglichkeit, dieses traurige Relikt eines verheerenden Bombenangriffs in neuem Glanz erstehen zu lassen. In Dresden ist viel geschafft worden, warum nicht auch die Orangerie zu neuem Leben zu verhelfen?
Warum mich das so interessiert? Weil wir dieses alte Tor auf dem Weg vom Hotel in die Altstadt und zurück mehrmals täglich passierten. Und es fiel uns eben auf, dass es so traurig da rumsteht.
Mehr als 260 Fotos haben wir gemacht. Vieles von dem, was wir gesehen und fotografiert haben, würde ich gern zeigen. Aber es reicht auch so, was ihr in meinem kleinen Reisebericht sehen könnt. Ich hoffe, ihr langweilt euch nicht.
Magenerweiterung
Notiert von Hans-Georg am 11. November 2009Seit gestern Mittag sind wir von unserer Minikreuzfahrt nach Oslo zurück. Die Zeit habe ich genutzt, den kleinen Reisebericht zu schreiben, der jetzt hier zu finden ist.
Wie es scheint, leide ich an Magenerweiterung. Ich hatte nämlich, was total ungewöhnlich ist, heute Morgen um 9 Uhr schon Hunger. Das kommt eben davon, wenn man an Bord den Hals bzw. den Magen nicht voll bekommen hat. Und dabei hatte ich schon versucht, mich zurückzuhalten und nur ausgesuchte Speisen zu geniessen. Der Versuch ist wohl fehlgeschlagen.
1 Musical, 2 Hexen, 2 Verrückte
Notiert von Hans-Georg am 10. August 2009
Wicked – Die Hexen von Oz, ein Musical, das uns bereits im April letzten Jahres verhext hat. Ich entdeckte günstige Karten- und Flugpreise, was lag da näher, als meinem musicalbegeistertem Schatz einen neuerlichen Ausflug nach Stuttgart zum Geburtstag zu schenken.
Samstag vormittag reisten wir an und waren bereits um 11.00 Uhr im Hotel des SI-Centrum, dem die Musicalspielbühnen Apollotheater und Palladiumtheater angeschlossen sind. Das SI-Centrum ist ein riesiger Bereich mit diversen Bars, Restaurants, einem Spielcasino, den Theatern, einem Kino und dem Hotel.

Unser Zimmer war bei unser Ankunft noch nicht verfügbar. Unser Handgepäck konnten wir aber an der Rezeption abgeben. Da wir die Nachmittgsvorstellung gebucht hatten, hatten wir den Abend sozusagen zur freien Verfügung. Würde es an der Kasse vielleicht günstige Karten für die Abendvorstellung geben? In der Tat gibt es zurzeit ein Sommerticket zu Preisen zwischen 19 und 69 Euro. Die Günstigsten waren bereits ausverkauft. 49 Euro? Na ja, noch mal 100 Euro ausgeben für zwei Karten wo ich doch nur 99 Euro für 2 Karten in der teuersten Preisklasse ausgegeben hatte? Nö, eine Karte für 29 Euro musste reichen. Und schon hatten wir 2 Karten für die Abendvorstellung in der Tasche.

Danach machten wir uns auf den Weg, die ländliche Umgebung des Centrum in Augenschein zu nehmen und die Anlagen des Centrums zu erkunden. Dort, wo heute die Anlage steht, muss einst die sogenannte grüne Wiese gewesen sein. Goldene Getreidefelder und Obstbäume bilden einen starken Kontrast zu der modernen Bebauung. Bei unserer Rückkehr reservierten wir uns einen Tisch in einem der vielen Restaurants, in dem wir zwischen den beiden Vorstellungen nett essen wollten.

Inwzischen sollte auch unser Zimmer bereitstehen. An der Rezeption gab es eine Überraschung: Wir bekamen ein upgrade in der Zimmerkategorie und konnten ein Zimmer im 8. Stock des Hotelturmes beziehen. Aus dem Fenster erwartete uns ein freier Blick auf die Umgebung, kein Gegenüber, aus dem man in unser Zimmer hätte schauen können. Ein grosses Doppelbett ohne störende Mittelfuge zwischen den Matratzen, Minibar, im Schrank ein ausklappbares Bügelbrett mit Bügeleisen – was will man mehr?!
Nachdem wir uns frischgemacht hatten, nahmen wir noch einen Kaffee und natürlich ein Stück Torte im Wiener Kaffeehaus. Und dann wurde es Zeit, für die Nachmittagsvorstellung des Hexenzaubers.

Wie beim ersten Mal sassen wir in der ersten Reihe. Aus allernächster Nähe konnten wir die grandiose Mimik der Darsteller beobachten, die das Musical zu einem absoluten Highlight machen. Wir sahen nicht die Menschen in den Kostümen, nein – wir sahen die einzelnen Persönlichkeiten der Handlung. Rein gar nichts hatte auch nur einen Anflug von Oberflächlichkeit. Wir waren wirklich gefangengenommen von der Handlung und den Emotionen auf der Bühne. Wir waren eingesunken in das Stück, fast ein Teil des Musicals, besonders, wenn die Darsteller ganz dicht an der Rampe agierten. Tragik und Komik liegen hautnah beieinander. Du lachst und in der nächsten Sekunde bleibt dir der Lacher im Hals stecken. Wicked, die Hexen von Oz, dieses Musical ist derzeit unser absolutes Lieblingsmusical. Donnernder Applaus und standing ovations am Schluss zeigten, dass nicht nur wir allein so sehr angetan sind.
Im Restaurant Don Giovanni liessen wir uns ein gutschmeckendes Abendessen servieren, dazu gab es eine Flasche Wein. So liess sich die Zeit bis zur Abendvorstellung gut überbrücken.
Die günstigen Karten für die Abendvorstellung reichten dann nur für die vorletzte Reihe im ersten Rang. Die Entfernung zur Bühne war gewaltig. Dazu kommt noch, dass diese Plätze höher als die Bühne liegen, was die Entfernung zur Bühne noch vergrössert. Als sich der Vorhang hob, sahen wir die Darsteller nur als kleine Figuren, die auf der Bühne agierten. Viele Details gingen verloren. Besonders vermissten wir das Mienenspiel der Protagonisten. Von diesen Plätzen aus ist eine Aufführung reines Guckkastentheater. Wir schauten und hörten zu, aber wir waren nicht bewegt.
Wir hatten nun gestern innerhalb kürzest möglicher Zeit die Gelegenheit, das selbe Theaterstück ein mal von ganz nah und ein mal von ganz weit weg zu sehen. Unser Fazit ist, dass wir zukünftig weiterhin lieber Karten im vorderen bis mittleren Bereich kaufen.
Nach dieser Vorstellung gab es noch einen Schlummertrunk in der Intermezzo Bar. An der Rezeption des Hotels hatten wir nämlich einen Gutschein für zwei Freigetränke erhalten. Der Cocktail White Cloud, zuammengemixt aus Wodka, Cremé de Cacao weiss, Ananassaft und Sahne, verpasste uns genügend Bettschwere damit wir unser hochgelegenes Zimmer aufsuchen konnten. Vorhänge und Gardinen blieben offen als wir uns schlafenlegten. Es konnte ja niemand zuschauen.

Das reichhaltige Frühstücksbuffet wurde im Restaurant Times Square serviert. Optisch beherrscht wird dieses Restaurant von der Zauberflötenuhr, aus der jeweils zur halben und vollen Stunde Melodien aus der Oper Die Zauberflöte erklingen. Fast hätte ich die instrumental gespielte Arie der Königing der Nacht mitgesungen.
Aufgrund der unbeständigen Wetterlage konnten die beiden Verrückten am Sonntagmorgen morgen leider nicht mit dem Besen nach Hause fliegen sondern mussten wieder den bereits gebuchten Düsenjet nehmen.
Das Musical Wicked – Die Hexen von Oz wird Stuttgart im Herbst verlassen und nach Oberhausen ziehen. Ich vermute ganz stark, dass wir auch dort wieder dabei sein werden, aber nur in Reihe 1 bis 5.
Die andere Seite
Notiert von Hans-Georg am 16. Juli 2009
Unser erster abendlicher Fahrradausflug führte uns elbabwärts nach Altengamme und wir blieben auf der nördlichen Seite der Elbe in Schleswig-Holsten und Hamburg. Gestern Abend machten wir uns auf den Weg über die Elbe hinüber nach Niedersachsen und dann am Deich entlang elbaufwärts bis zum Tesper Fährhaus, direkt gegenüber vom Krümmelmonster.


Auf einer Bank auf dem Deich machten wir vor der Rückfahrt eine Pause bis die Sonne über Hamburg untergegangen war.

Es könnte hier so schön sein wenn nicht das Krümmelmonster dort gegenüber auf Geesthacher Stadtgebiet stehen würde.
Leider ging hier die Fahrt nicht auf dem Deich entlang sondern hinter dem Deich. Der Blick auf die Elbe war uns während der Fahrt also verwehrt.
Eigentlich hatten wir gar nicht so die rechte Lust, unsere Fahrräder aus dem Keller zu holen um eine Tour zu machen. Als wir da aber so auf der Bank dem Sonnenuntergang zuschauten, waren doch zufrieden und froh, dass wir uns zu dieser kleinen Tour aufgerafft hatten.
Kultur in Magdeburg
Notiert von Hans-Georg am 5. Juli 2009Unser kleiner Ausflug nach Magdeburg mit vielen Fotos ist online
Zum Musical in die Hauptstadt
Notiert von Hans-Georg am 3. Mai 2009
Zum Geburtstag hatte ich von Bernd zwei Karten für das Musical “Der Schuh des Manitu” im Theater des Westens in Berlin und eine Übernachtung im Hotel “Hollywood Media” am Kurfürstendamm bekommen. Zwei Karten? Klar doch, dass ich Bernd mitnehmen würde.
Gestern Vormittag machten wir uns also auf in die Hauptstadt. Ab der Landesgrenze Schleswig-Holstein/Mecklenburg Vorpommern fuhren wir unter dem blauen Himmel durch blühende Landschaften. Vielleicht hatte Helmut Kohl mit den blühenden Landschaften einst die Felder mit dem in voller Blütenpracht stehenden Raps gemeint. Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob zu DDR-Zeiten auch Raps dort angebaut wurde.
Das sommerliche Wetter machte es möglich, dass wir die ganze Strecke offen fahren konnten. Unser neues Navi brachte uns sicher zum Hotel. Der Wagen wurde in der Tiefgarage abgestellt.
Das Hotel gehört dem Schauspieler Artur Brauner. Überall im Hotel hängen Filmposter und Fotos von Schauspielern, von denen viele schon nicht mehr leben. In einigen Ecken sind kleine Filmszenen nachgestellt. Ausserdem gibt es jede Menge Filmutensilien, wie z.B. eine alte Vorführmaschine. Die Zimmer haben nicht nur eine Nummer. Jedes Zimmer ist einem berühmten Schauspieler oder einem anderen berühmten Filmschaffenden gewidmet, unser Zimmer dem Schauspieler und Regisseur Orson Welles. Sein Porträt hängt denn auch nicht nur neben der Zimmertür sondern auch über dem Bett.

Nachdem wir unser Zimmer in Augenschein genommen hatten, trafen wir uns mit Peter und Frank (ursprünglich sollte es eine Überraschung für mich sein, die Beiden dort zu treffen. Aber durch einen dummen Zufall kam das bereits vor meinem Geburtstag heraus). Gemeinsam bummelten wir über den Kurfürstendamm. Im Café Reinhard’s des Hotel Kempinski machten wir eine Eispause während der wir in der absolut ersten Reihe auf dem Gehweg des Kurfürstendamms sassen, was nicht unbedingt ein Vorteil war. Ausschweifende Hand- und Armbewegungen meinerseits während des Gesprächs trafen zuweilen den einen oder anderen vorbeiflanierenden Passanten.
Der Service im Reinhard’s war nicht gerade erstklassig. Beim Eisbecher fehlte die bestellte Sahne. Der Eisbecher mit gemischtem Eis war mengenmässig ein Witz weil die Kugeln sehr klein waren. Eine von Frank vorgebrachte Reklamation hatte Erfolg und es wurden 2 neue Eisbecher serviert. Währenddessen hatten Bernd und ich unsere Eisschokolade schon auf. Auf die Bezahlung unserer Zeche mussten wir sehr lange warten. Schliesslich sammelten wir den Gesamtbetrag zusammen, drapierten die Scheine unter einen der Teller und standen auf. Allerdings hatte Peter ein Einsehen und unterrichtete den für uns zuständigen Kellner, worauf der eiligst angelaufen kam und das Geld einsammelte.

Weiter führte unser Weg, an der Gedächtniskirche vorbei in Richtung Kaufhaus des Westens (KDW). Aber der Appetit trieb uns in eine Seitenstrasse in das Chinarestaurant Ming’s Garden, in dem uns ein preiswertes, aber ansprechendes und gutes Menü serviert wurde.
Nach dem Essen trennten wir uns von Peter und Frank. Die Beiden wollten zurück in ihr Apartment, um dort vor der Muscialaufführung noch ihren Schönheitsschlaf zu halten. Bernd und ich trieb es zurück zum Kurfürstendamm, den wir etwas genauer unter die Lupe nehmen wollten. Etwa ab der Höhe unseres Hotel ebbte der Tourstenstrom langsam ab, ebenso wie die Anzahl der Geschäfte. Dafür wurden diese exklusiver. Gucci, Prada, Rolex und viele andere teure Namen waren hier zu finden. Ich wollte ja für Bernd und mich noch einen neuen Anzug für den Theaterbesuch kaufen. Aber Bernd konnte mich leidergottseidank davon überzeugen, dass das nicht notwendig sei.

Nach einer erfrischenden Dusche im Hotelzimmer und nachdem wir uns umgezogen hatten, machten wir uns auf den Weg zum Theater des Westens, dass nur wenige Gehminuten vom Hotel entfernt ist. Wir hatten Durst und löschten diesen mit einer Flasche Bier. Für die Pause bestellten wir Uschi-Sekt.
Wir waren sehr gespannt wie man es geschafft hat, einen Film als Muscial auf die Bühne zu bringen, was überraschend gut gelungen ist. Man hat nämlich eine Art Westernrevue daraus gemacht mit viel Gesang (ist ja auch ein Musical) und Choreographie. Der erste Teil bis zur Pause ist dann auch recht flott und kurzweilig gelungen. In der Pause tauschten wir beim Uschisekt erste Meinungen mit Frank und Peter aus. Die beiden waren nicht ganz so positiv von dem Stück beeindruckt wie Bernd und ich. Aber es war ja noch nicht zu Ende.
Den zweiten Teil fanden wir ziemlich flach, langweilig und zum Teil albern. Und es schien uns, als sei er künstlich in die Länge gezogen. Es gab keinen richtigen Höhepunkt. Unsere Freunde dagegen waren ganz anderer Meinung und fanden den 2. Teil viel besser. Unser Fazit: Wir fanden das Musical nicht schlecht und würden es uns gegebenenfalls noch ein zweites Mal anschauen.
Ein Wiedersehen gab es mit Jens Janke. Er spielt im Schuh des Manitu den schwulen Indianer Winnetouch. Jens Janke spielte in dem legendären Musical Titanic den Funker. Wir sahen ihn auch auf der Bühne des Palladium-Theaters in Stuttgart im Musical 42nd Street.
Nach der Vorstellung nahmen wir direkt neben dem Theater im Café Quasimodo noch einen Schlummertrunk bevor wir uns auf den Weg zum Hotel machten. Und da frische Luft Appetit macht, brauchten wir noch einen Snack, den wir im Burger King direkt neben dem Hotel einnahmen.
Nach dem ausgiebigen Hotelfrühstück machten wir uns heute morgen auf den Heimweg. Anfangs spielte unser Navi ein wenig verrückt und zeigte eine Position an, auf der wir uns garantiert gerade nicht befanden. Auf der Übersichtskarte hatten wir vorher gesehen, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Wir fuhren einfach weiter und landeten dann auch auf der Autobahn in Richtung Hamburg. Nun schloss sich auch das Navi unserer Meinung an und brachte uns wohlbehalten nach Hause.
Dieses war unser 3. Besuch in Berlin. Das erste Mal waren wir vor einigen Jahren mit dem Chor dort. Unser 2. Besuch galt dem Musical Les Miserable, das seinerzeit auch im Theater des Westens aufgeführt wurde. Beide Aufenthalte in Berlin vermittelten uns kein sehr positives Bild von der Stadt. Nach diesem 3. Besuch sind wir beide einhellig der Meinung: Wir kommen bestimmt wieder!
Vielen vielen Dank an meinen Schatz für dieses schöne Geburtstagsgeschenk!
Seeblick
Notiert von Hans-Georg am 18. April 2009
Am Dienstag hatte Schwiegermutter Geburtstag. Da sie wegen ihrer kleinen Rente kaum aus dem Haus kommt, hatten wir ihr unter anderem eine “Fahrt ins Blaue” geschenkt. Sie wusste also nur, dass wir sie mit dem Wagen abholen würden. Wohin die Fahrt gehen würde, war ihr nicht bekannt.
Wir hatten uns ausgedacht, sie nach Travemünde zu entführen und dort in einem Restaurant an der Strandpromenade ein Mittagessen einzunehmen. Für diesen Zweck hatte ich eigens einen Tisch reservieren lassen. Leider wurde die Fahrt länger als erwartet. Durch einen Unfall auf der A1 hatten wir eine erhebliche Zeitverzögerung. Unser lokaler Radiosender hatte über die Verkehrsstörung nichts berichtet. Im Wagen hatten wir den Sender nur recht leise an und bekamen deshalb von einer Verkehrsmeldung nichts mit. Und das Navi lag zu Hause, schliesslich kennt man sich ja aus.
Zum Glück war unser Tisch noch nicht vergeben. So konnten wir während des Essens auf die vom Nord-Ost-Sturm aufgewühlte Ostesee blicken.
Nach dem Essen brauchten wir noch einen kleinen Verdauungsspaziergang auf die sturmumtoste Mole, die auch von einer kleinen Hochzeitsgesellschaft aufgesucht wurde. Die Windsbraut hatte Mühe, ihren Schleier unter Kontrolle zu halten. Währenddessen versuchte ein kleiner Segler, mit Motorkraft die offene See zu erreichen. Und vor dem Hotel Maritim flatterten die Flaggen im Sturm.


Um die Verdauung weiter anzuregen, ging es dann noch zur Hafenpromenade. Hier gibt es eine Stelle, wo der Weg über ein Gleis führt, auf dem Schiffe ins Wasser gelassen werden können. Diese Stelle ist mit Stahlplatten abgedeckt. Wann man darauf rumhüpft, scheppert es recht nett. Und das muss ich seit zig Jahren machen. Heute mokierte sich eine alte Dame darüber. Sie fragte mich, ob es denn Spass machen würde. Blöde Frage, sonst würde ich das ja nicht tun (das hab ich aber nicht zu ihr gesagt). Ich erwiderte, dass ich das seit etwa 50 Jahren mache, und zwar jedes Mal, wenn ich an diese Stelle komme. Na, wir wechselten noch ein oder zwei Sätze und sie zog ihres Weges und wir machten uns auf den Weg zum Wagen, der uns zum Kaffeetrinken zu meiner Mutter nach Lübeck bringen sollte, was Schwiegermutter aber auch nicht wusste.
Für Schwiegermutter war es ein schöner Tag, ebenso für uns, weil wir merkten, dass wir sie mit diesem kleinen Ausflug glücklich gemacht haben.
